Der Fonds als Standardzugang
Für viele Investoren ist Private Credit zunächst ein Fondsprodukt. Das Prinzip ist einfach: Ein Manager bündelt Kapital, baut daraus ein Portfolio aus vielen Kreditpositionen auf und übernimmt Auswahl, Strukturierung, Dokumentation, laufendes Monitoring sowie das Reporting. Der Investor erhält in der Regel regelmässige Ausschüttungen aus Zinsen und Tilgungen.
Das erklärt, warum Fonds oft der Einstieg und für viele Portfolios ein sinnvoller Baustein sind. Sie bieten mehrere handfeste Vorteile: breite Diversifikation, skalierte Origination durch etablierte Plattformen, institutionelle Prozesse und operative Einfachheit.
Der Trade-off ist allerdings typisch: Je breiter der Ansatz, desto stärker orientiert sich das Rendite-Risiko-Profil am Marktniveau. Gerade im stark kompetitiven, überwiegend sponsor-getriebenen Dealflow nähern sich Pricing und Covenants häufig an. In vielen US-Direct-Lending-Portfolios besteht der Grossteil der Deals aus sponsor-backed Transaktionen, teils in einer Grössenordnung von „nahe 90%“ je nach Segment und Datensatz.
Breite Manager sind damit ein effizienter Baustein für das Grundexposure, weil sie Diversifikation, kontinuierliche Deployment-Fähigkeit und robuste Prozesse liefern. Zusätzlicher Mehrwert entsteht jedoch meist dort, wo Selektion und Strukturierungsdisziplin greifen, also bei gezielten Engagements, bei denen Struktur, Schutzmechanismen und Allokation präziser optimiert werden können.
Hinzu kommt: Fonds haben eine zusätzliche Gebühren- und Anreizstruktur. Diese Kosten finanzieren Plattform, Team und Prozesse, reduzieren aber die Nettorendite und machen die Ergebnisqualität stark abhängig vom Underwriting, vom Risikomanagement und von der Fähigkeit des Managers, in einem wettbewerbsintensiven Umfeld diszipliniert zu bleiben.
Ein weiterer Punkt ist Transparenz. Viele Investoren erhalten aussagekräftige Kennzahlen und Reportings, sehen aber nicht immer jede einzelne Kreditposition und deren Vertragsdetails in der Tiefe, die sie sich wünschen. Die Steuerung erfolgt indirekt: Man vertraut dem Manager und seinem Prozess, kann aber nicht jede einzelne Position aktiv mitentscheiden.
Der direkte Weg
Beim direkten Kreditinvestment fliesst Ihr Kapital unmittelbar in eine konkrete Kreditposition. Sie sehen den Kreditnehmer, die Struktur, die Konditionen, die Sicherheiten und die Covenants. Vor allem entscheiden Sie Deal-by-Deal, ob Sie sich beteiligen. Damit behalten Sie Kontrolle über Timing, Risiko und Allokation.
Der Vorteil liegt auf der Hand: mehr Transparenz, mehr Steuerbarkeit und potenziell bessere Nettorenditen, weil Sie selektiv investieren können. Besonders in Marktsegmenten, in denen viele Deals sehr ähnlich bepreist und strukturiert sind, kann die gezielte Auswahl einzelner Transaktionen einen spürbaren Unterschied machen.
Der direkte Weg hat jedoch Anforderungen, die viele Investoren unterschätzen:
- Jede Position verlangt eine saubere Einzelanalyse (Geschäftsmodell, Cashflows, Downside, Sicherheiten, Covenants)
- Dokumentation, Closing und Servicing brauchen Routine
- Monitoring ist entscheidend, inklusive Covenant-Tests, Sicherheitenentwicklung und frühzeitiger Intervention bei Abweichungen
- In Sondersituationen braucht es Workout-Fähigkeit und klare Governance
Die Kombination als Optimum
In der Praxis profitieren die meisten Investoren von einer Kombination aus beiden Zugängen, häufig in einer Core-Satellite-Logik.
Der Core bildet das Grundexposure ab, meist über ein bis zwei grosse, breit diversifizierte Manager. Das sorgt für Diversifikation, planbaren Kapitaleinsatz und Zugang zu etablierten Plattformen. Die Satelliten setzen gezielt zusätzliche Werttreiber: direkte Investments, bei denen Transparenz und Kontrolle den grössten Mehrwert liefern und bei denen sich Struktur, Schutzmechanismen und Allokation Deal-by-Deal präziser gestalten lassen.
Diese Kombination löst ein zentrales Dilemma:
- Nur Fonds bedeutet oft weniger Steuerbarkeit und zusätzliche Gebührenebenen.
- Nur direkt bedeutet hohen Analyse- und Umsetzungsaufwand sowie den Bedarf an eigener Infrastruktur.
- Beides zusammen verbindet Breite und Effizienz mit Selektivität und Kontrolle.
Wie die richtige Mischung aussieht, hängt von Ihrer Situation ab: Portfoliogrösse, Mindestticketgrössen, gewünschte Diversifikation, Risikoappetit, Governance und interne Ressourcen. Genau hier beginnt die Beratung durch CITRO, die institutionelle Prozesse für Zugang, Analyse, Dokumentation und Monitoring bereitstellt, ohne dass Investoren eine eigene Plattform aufbauen müssen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investition in Private Credit ist mit Risiken verbunden, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.