Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Gemeinsamkeiten: Beide Anlageklassen zielen auf Renditen oberhalb von Investment Grade ab und tragen entsprechend Kreditrisiko. Entscheidend sind immer dieselben Punkte: Qualität der Kreditprüfung, Tragfähigkeit der Kapitalstruktur, saubere Dokumentation und ein Monitoring, das Probleme früh erkennt.
Unterschiede im Kern:
1) Handelbarkeit und Preisdynamik
High Yield wird am Markt gehandelt und täglich bepreist. Das schafft Flexibilität, bedeutet aber auch: Preise reagieren sofort auf Zinsniveau, Spreads und Stimmung.
Private Credit ist privat verhandelt und wird nicht täglich gehandelt. Bewertungen werden periodisch aktualisiert. Das reduziert kurzfristige Preisschwankungen, ersetzt aber keine disziplinierte Kredit- und Prozessarbeit.
2) Zinsprofil und Cashflows
High Yield ist häufig fest verzinst. Der Kupon ist planbar, der Kurs kann jedoch deutlich schwanken.
Private Credit ist oft variabel verzinst. Das kann laufende Erträge in einem höheren Zinsumfeld stützen, erhöht aber gleichzeitig die Zinslast der Kreditnehmer. Ob das Portfolio robust bleibt, hängt daher stark von Underwriting, Strukturierung und Covenants ab.
3) Struktur und Gläubigerschutz
Private Credit ist häufig vorrangig besichert und arbeitet – je nach Segment – mit laufenden Covenants und Informationsrechten. Das ermöglicht früheres Gegensteuern.
High Yield Bonds sind nach Emission weniger „steuerbar“: Covenantmechaniken sind oft weniger eng, und Eingriffsrechte sind begrenzter.
4) Transparenz und Einfluss
High Yield ist standardisiert und gut vergleichbar, aber Terms sind weitgehend „gesetzt“.
Private Credit kann mehr Einfluss auf Struktur (Sicherheiten, Covenants, Dokumentation) ermöglichen. Vorausgesetzt, man nutzt diese Hebel konsequent.
Der Trade-off
Der zentrale Trade-off lautet: Liquidität und tägliche Preisbildung (High Yield) versus illiquider Zugang mit potenziell stärkerem strukturellem Schutz und besser planbaren laufenden Erträgen (Private Credit).
Was die Illiquidität kostet: Kapital ist über Jahre gebunden. Ein vorzeitiger Ausstieg ist häufig nur eingeschränkt möglich und kann Abschläge bedeuten.
Was die Illiquidität bringt: Weil Positionen nicht täglich gehandelt werden, entstehen typischerweise weniger reflexhafte Reaktionen. Ohne täglichen Handel entsteht typischerweise kein Zwang, Positionen unter Zeitdruck zu liquidieren.
Wer diesen Trade-off bewusst eingeht, investiert typischerweise in Private-Credit-Kernstrategien mit Fokus auf vorrangig besicherte Kredite (Senior Secured/Direct Lending). Über mehrere Marktzyklen hinweg zeigen Default-Daten von Moody’s und darauf basierende Auswertungen häufig, dass Ausfallraten bei Private Credit tendenziell unter denen vergleichbarer High-Yield-Bond-Universen lagen. Wichtig ist die Einordnung: Das ist kein Naturgesetz. In einzelnen Phasen kann sich das Verhältnis auch umkehren.
Warum Private Credit oft als kalkulierbarer wahrgenommen wird
Viele Investoren empfinden Private Credit als „kalkulierbarer“, weil sich Risiko stärker über Struktur und Prozess steuern lässt: Sicherheiten, Covenants, Informationsrechte, enges Monitoring und klare Eingriffsmechanismen. In der Praxis kann das zu einem robusteren Netto-Risiko-Rendite-Profil führen, teilweise sogar bei vergleichbarer oder höherer Rendite als High Yield, weil ein grosser Teil der Rendite aus laufenden Zinsen/Fees kommt und weniger aus Kursbewegungen.
Die Einschränkung bleibt: Ein Teil der wahrgenommenen Stabilität entsteht auch durch weniger häufige Preisfeststellung. Kreditstress verschwindet nicht, er wird teils später sichtbar. Deshalb entscheidet die Umsetzung.
Wann was sinnvoll ist
High Yield eignet sich eher, wenn Sie …
- Liquidität benötigen und Positionen aktiv anpassen möchten
- tägliche Marktpreise und schnelle Umsetzbarkeit schätzen
- Marktschwankungen aushalten können, ohne im falschen Moment verkaufen zu müssen
Private Credit eignet sich eher, wenn Sie …
- planbare laufende Erträge priorisieren und Illiquidität tragen können
- Wert auf Struktur, Covenants und Sicherheiten legen
- bereit sind, Private Credit als Kreditgeschäft zu behandeln: Selektion, Strukturierung, Dokumentation und Monitoring sind zentrale Werttreiber
Ob sich der Illiquiditätsaufschlag „lohnt“
Das hängt massgeblich von drei Faktoren ab:
- Selektion (nicht jeder Deal ist den Aufschlag wert)
- Struktur und Dokumentation (Covenants/Sicherheiten müssen im Stressfall wirken)
- Monitoring und Umsetzungskraft (früh erkennen, konsequent handeln)
In der Praxis oft sinnvoll: eine Kombination
Viele Investoren kombinieren beides: High Yield als liquider Baustein für Flexibilität und Private Credit als illiquider Baustein für laufende Erträge und Strukturmehrwert. Innerhalb von Private Credit bewährt sich häufig ein Core-Satellite-Ansatz: ein breit diversifizierter Kern (ein bis zwei grosse Manager) für effizientes Grundexposure und selektive Direktengagements als Satelliten, wenn zusätzliche Transparenz, Strukturqualität und Kontrolle den grössten Renditehebel liefern.
Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar.